Therapeutische Ziele

Behandlung ist Regulierung des Körpers, der Seele und der Umwelt

Behandlung ist bei uns Regelung von Störungen im Rahmen der Möglichkeiten des Menschen bzw. seiner Seele und seines Körpers. Es wird dabei versucht, auch geistige und soziale bzw. ökologische Bedingungen zu berücksichtigen.

Es sind die körperlich-seelischen Grenzen, die den Menschen ausbalancieren. Es sind nicht die Ziele, die vielleicht für Andere richtig sind. Diese Haltung beinhaltet in erster Linie, gesündere Selbstregulation zu entwickeln. Dazu gehören nicht nur die Bezugspersonen oder die Familie. Dazu gehören auch die Gesellschaft und der ökologische Lebensraum.

Eine Regel für uns ist: Wir holen den Menschen da ab, wo er krank ist bzw. wo er „bei sich“ ist, nicht wo er angeblich sein sollte. Wir nennen das im Gegensatz zur konzept- oder fachorientierten eine patientenzentrierte (personalisierte) Behandlung.

 
 
Lebenssysteme integrieren statt isolieren

Körperliche Beeinträchtigung oder die gestörte Lebensentwicklung eines Menschen wird von uns nicht für seine plötzliche Krankheit oder Störung allein verantwortlich gemacht, sondern auch die Umwelt mit dem von ihr ausgehenden Stress.

Wir berücksichtigen auch erlernte Sichtweisen eines erkrankten Menschen. Ändert sich die Sicht oder die Umgebung des Menschen positiv, so relativierten sich sein Lebensprobleme und seine Einstellung zu seinem Körper, die er annimmt und nicht als etwas Krankes „von sich weist“. So werden Ängste, Gefühle und Eigenschaften relativiert und haben im Leben eines Menschen einen Sinn, der ihm Perspektiven der Heilung eröffnet. Der Patient fühlt sich nicht alleine gelassen, sondern als Teil eines Lebensnetzes, wie es F. Capra 1996 beschrieben hat.

Alles Wissen stammt aus äußerer oder innerer Erfahrung (John Locke)

Gesundheit erfahren

Menschen ist die Fähigkeit zur Einsicht und zur Entwicklung eigener Werte gegeben. Diese sind Teil ihrer Lebensethik, die sich einerseits in Form von Eigenständigkeit, andererseits in Form von Empathie für Andere auszeichnet. Man nimmt dazu Informationen auf, um sich durch dieselben weiter zu entwickeln. Diese kreative Grundhaltung, die dem Kind besonders eigen ist, fördern wir beim Erwachsenen durch Informationsimpulse, die auch emotional einwirken. Das Erleben seiner selbst, das Gespräch über die Inhalte ist, wie Ruth Cohn es beschreibt, eine themenzentrierte Interaktion. Die Gesprächsteilnehmer assoziieren, gewinnen neue Einsichten, neue Ideen und eine neue Orientierung.

“Es gibt keinen Dialog ohne Empfindungen, keine Empfindungen ohne geistige und seelische Abläufe” 

Vernetzte statt lineare Behandlung

Heilung wird durch sorgfältige, zirkuläre Vernetzung sozialer Begegnung, körperlicher Behandlung, geistig/seelischen Bewusstseins und der Fähigkeit zu eigenem Handeln beschleunigt. 

Dabei hilft in einer akuten Krankheitsphase unter Umständen ein stationärer Behandlungsprozess besonders, der die Genesung eines Menschen im „Zeitraffer“ ermöglicht. Statt nur Symptome oder Erkrankungen richtig, aber einseitig anzugehen, wird die Behandlung im Sinne einer kybernetisch integrierten Therapie sorgfältig abgestimmt. Behandlung, Eigenständigkeit und Selbstverantwortung der oder des Patientin/en halten sich die Waage. Damit erlebt er weder sich noch die Anderen für seine Erkrankung oder seelischen Probleme als allein verantwortlich. Ein Mensch erlebt, dass das Zusammenwirken von Umständen ihn krank machte und positives Zusammenwirken verschiedener Faktoren ihn wieder gesund machen kann.

Selbstorganisation oder -regulation ist dabei die Fähigkeit des Menschen, sich körperlich und seelisch in einen Dialog mit sich und Anderen zu begeben und seinen Platz zu finden.

Dem erkrankten Menschen wird somit eine sehr aktive Rolle zugeschrieben.

 

Der Weg ist das Ziel. (Konfuzius)

 
Seine Lebensgeschichte gehört zum Menschen wie seine Identität

Therapie ist bei uns in großen Umfang Wiederbelebung verdrängter Sinneswahrnehmungen, Gefühle, Prägungen und Vorstellungen aus der Ursprungsfamilie, Wiederbelebung der Erinnerung befreit von Symptomen, bzw. ermöglicht z.B. mit medikamentöser und psychotherapeutischer Hilfe „realistisches Sehen und gesundes Fühlen“. Sie ist Vertiefung vorher eingeschränkter Erinnerung, die damit wieder Teil des Lebens, der Lebensgeschichte und der Persönlichkeit wird. Gedanken und Gefühle, die in der Vergangenheit zu kurz kamen, Auseinandersetzungen mit Erlebnissen in der Vergangenheit sind Teil der Lebensbewältigung des Menschen, auf die er stolz sein kann. Was ihn krank macht oder ihn seelisch bedrückt, ist unter Umständen die Notwendigkeit, körperliche Probleme zu übersehen, Gefühle und Erinnerungen zu verdrängen, um sich aktuellen Prozessen stellen zu können und emotional (z.B. Verringerung von Angst) „zu überleben“. Therapie in diesem Sinne wäre die „Vereinigung“ der Erinnerung mit der Gegenwart und den körperlichen Gegebenheiten (Ichstärke und Identität). So können vernachlässigte Bedürfnisse wieder aufkeimen, die in Vergessenheit geraten sind. Diese können in die Gegenwart positiv integriert werden. Sie können wiederbelebt einer Korrektur zugeführt werden. Der genesende Mensch kann für seine körperlichen und seelischen Grenzen sensibilisiert werden, die ihm Sicherheit geben.